Frage:

Kann der Gläubige psychisch krank werden? Und was ist seine Behandlung gemäß der Scharia, obwohl die moderne Medizin diese Krankheiten nur mit modernen Medikamenten behandelt?

Antwort:

Es besteht kein Zweifel daran, dass der Mensch von psychischen Krankheiten betroffen werden kann, durch Sorge um die Zukunft und durch Trauer über die Vergangenheit. Psychische Krankheiten wirken auf den Körper stärker ein als körperliche Krankheiten. Die Behandlung dieser Krankheiten erfolgt durch die Mittel der Schariah, das heißt durch die Ruqyah. Ihre Behandlung durch diese Mittel ist erfolgreicher als ihre Behandlung mit den wahrnehmbaren Medikamenten, wie bekannt ist.

Zu ihren Heilmitteln gehört auch der authentische Hadith von Ibn Masʿud (radiyAllāhu ʿanhu), der sagte:

„Es gibt keinen Gläubigen, der von Sorge, Kummer oder Trauer betroffen wird und sagt:

{ اللّهُـمَّ إِنِّي عَبْـدُكَ ابْنُ عَبْـدِكَ ابْنُ أَمَتِـكَ نَاصِيَتِي بِيَـدِكَ مَاضٍ فِيَّ حُكْمُكَ عَدْلٌ فِيَّ قَضَاؤكَ أَسْأَلُـكَ بِكُلِّ اسْمٍ هُوَ لَكَ سَمَّـيْتَ بِهِ نَفْسَكَ أِوْ أَنْزَلْتَـهُ فِي كِتَابِكَ أَوْ عَلَّمْـتَهُ أَحَداً مِنْ خَلْقِـكَ أَوِ اسْتَـأْثَرْتَ بِهِ فِي عِلْمِ الغَيْـبِ عِنْـدَكَ أَنْ تَجْـعَلَ القُرْآنَ رَبِيـعَ قَلْبِـي وَنورَ صَـدْرِي وجَلَاءَ حُـزْنِي وذَهَابَ هَمِّـي }


Transliteration anzeigen

(„Allāhumma innī ’Abduk, Ibnu ’Abdik, Ibnu Amatik, Nāşiyatī bi Yadik, Mādin Fiyya Ĥukmuk, ’Adlun Fiyya Qadā`uk. Aş`aluka bi Kulli Işmin Huwa Laka, Şammayta bihi Nafşaka aw Anzaltahu fi Kitābika aw ’Allamtahu Aĥadan min Chalqika aw Işta`tharta bihi fi ’Ilmi l-Ĝaybi ’Indaka, an Tadj’ala l-Qurana l-’Adhīma Rabī’a Qalbī, wa Nūra Şadrī wa Djalā`a Ĥuznī wa Dhahāba Hammī.“)


„O Allah, ich bin Dein Diener, Sohn Deines Dieners, Sohn Deiner Dienerin, meine Stirnlocke ist in Deiner Hand, Dein Befehl über mich wird sicher ausgeführt, und Dein Beschluss über mich ist gerecht. Ich bitte Dich bei jedem Deiner Namen, mit denen Du Dich selbst benannt hast oder den Du in Deinem Buch offenbart hast oder den Du irgendeinen von Deiner Schöpfung gelehrt hast oder den Du im Wissen des Verborgenen bei Dir behalten hast, dass du den Quran zur Versorgung meines Herzen machst und zu einem Licht für meine Brust und zu einem Mittel gegen meine Trauer und zu einer Erleichterung für meine Sorgen.“

... außer dass Allah ihm Erleichterung verschafft.

Dies gehört zu den Heilmitteln der Schariah.

Ebenso sagt der Mensch:

﴿ لا إله إلا أنت سبحانك إني كنت من الظالمين ﴾

„Es gibt keinen (anbetungswürdigen) Gott außer Dir! Preis sei Dir! Gewiss, ich gehöre zu den Ungerechten.“

Und wer mehr davon möchte, der soll auf das zurückgreifen, was die Gelehrten im Kapitel der Adhkār geschrieben haben, wie:

  • „Al-Wābil aṣ-Ṣayyib“ الوَابِلُ الصَّيِّبُ مِنَ الكَلِمِ الطَّيِّبِ von Ibn al-Qayyim
  • „Al‑Kalim aṭ‑ṭayyib“ الكَلِمُ الطَّيِّبُ (Deutsch: Das Gute Wort) von Schaikh al-Islām Ibn Taymiyyah
  • „Al-Adhkār“ الأَذْكَار von an-Nawawī
  • „Zād al-Maʿād“ زَادُ المَعَادِ (Deutsch: Vorkehrungen für das Jenseits)von Ibn al-Qayyim

(Anmerkung des Übersetzers: Siehe auch „Hisnul Muslim“)

Als jedoch der Glaube schwach wurde, wurde auch die Annahme der Heilmittel der Schariah schwach. Die Menschen verlassen sich heute mehr auf die wahrnehmbaren Medikamente als auf die Heilmittel der Schariah. Als der Glaube hingegen stark war, waren die Heilmittel der Schariah vollkommen wirksam. Vielmehr ist ihre Wirkung schneller als die Wirkung der wahrnehmbaren Medikamente.

Uns allen ist die Geschichte des Mannes bekannt, den der Prophet in eine Expedition entsandte. Sie kamen zu einem Stamm von den Arabern und stiegen bei ihnen ab, doch diese Leute gewährten ihnen keine Gastfreundschaft. Da bestimmte Allah der Erhabene, dass ihr Anführer von einer Schlange gebissen wurde. Einige von ihnen sagten zueinander: „Geht zu diesen Leuten, die bei euch abgestiegen sind. Vielleicht findet ihr bei ihnen jemanden, der Ruqyah macht.“ Die Gefährten sagten zu ihnen: „Wir machen keine Ruqyah für euren Anführer, außer wenn ihr uns soundso viele Schafe gebt.“ Sie sagten: „Das ist in Ordnung.“ Daraufhin ging einer der Gefährten zu dem Gebissenen und rezitierte über ihn Surah al-Fatiha. Da stand dieser Gebissene auf, als wäre er von einer Fessel befreit worden. So wirkte die Rezitation der Fātiha auf diesen Mann, weil sie aus einem Herzen kam, das voller Iman war. Nachdem sie zum Propheten zurückgekehrt waren, sagte er:

{ وما يدريك أنها رقية }

„Woher wusstest du, dass sie (Surah al-Fatiha) eine Ruqyah ist?“

Doch in unserer Zeit ist die Religion und der Glaube schwach geworden, und die Menschen verlassen sich auf die sichtbaren und wahrnehmbaren Dinge.

Im Gegensatz dazu sind Leute der Scharlatanerie erschienen. Sie spielen mit den Verständen der Menschen, mit ihrem Vermögen und mit ihren Aussagen. Sie behaupten, sie seien rechtschaffene Rezitatoren, doch in Wirklichkeit verzehren sie das Vermögen der Menschen zu Unrecht.

Die Menschen befinden sich daher zwischen zwei Extremen.

  • Ein Teil ist extrem geworden und sieht in der Rezitation überhaupt keine Wirkung.
  • Ein anderer Teil ist ebenfalls extrem geworden und spielt mit den Verständen der Menschen durch falsche und betrügerische Rezitationen.

Und zwischen ihnen befindet sich der mittlere Weg.

Scheich Muḥammad al-‘Uthaimīn

Quelle: كتاب فتاوى إسلامية, Band 4, Seite 465-466.

Übersetzung: Abu Davut Konyevi