Frage:
Die Familie meiner Frau bereitet mir und meiner Frau Probleme. Was ist das Urteil über das Meiden von ihnen und darüber, sie nicht zu besuchen?
Antwort:
Es ist dir erlaubt, sie nicht zu besuchen, wenn ihr Besuch für dich oder für deine Frau Probleme verursacht. In diesem Fall darfst du es ablehnen, sie zu besuchen, und du darfst auch deiner Frau verbieten, sie zu besuchen.
Schaikh Ibn ‘Uthaymin, rahimahullah
Quelle: Fataawa Nuur ‘ala ad-Darb, Band 12, Seiten 474-475.
Abu Hurayrah überlieferte, dass ein Mann sagte: „O Gesandter Allahs, ich habe Verwandte, zu denen ich die Verbindung aufrechterhalte, doch sie brechen den Kontakt zu mir ab. Ich behandle sie gut, doch sie fügen mir Unrecht zu. Ich bin geduldig und gütig zu ihnen, doch sie beschimpfen mich.“
Er ﷺ sagte:
{ لَئِنْ كُنْتَ كَمَا قُلْتَ ، فَكَأَنَّمَا تُسِفُّهُمْ الْمَلَّ ، وَلَا يَزَالُ مَعَكَ مِنْ اللَّهِ ظَهِيرٌ عَلَيْهِمْ مَا دُمْتَ عَلَى ذَلِكَ }
„Wenn es so ist, wie du sagst, dann ist es, als würdest du ihnen heiße Asche in den Mund legen. Und Allah wird dich weiterhin unterstützen, solange du dabei bleibst.“
Quelle: Sahih Muslim, Nr. 2558
Imam As-Sa'di sagte in seinem Tafsir:
Allah sagt, der Erhabene:
{ وَلَا تَسْتَوِي الْحَسَنَةُ وَلَا السَّيِّئَةُ }
„Nicht gleich sind die gute Tat und die schlechte Tat.“
Das bedeutet: Das Verrichten guter Taten und von Gehorsamshandlungen um Allahs Zufriedenheit willen ist nicht gleich dem Begehen schlechter Taten und von Sünden, die Seinen Zorn hervorrufen und Ihn nicht zufriedenstellen.
Ebenso ist es nicht gleich, den Geschöpfen Gutes zu erweisen oder ihnen Schlechtes zuzufügen - weder in ihrem Wesen, noch in ihrer Beschreibung, noch in ihrer Vergeltung.
{ هَلْ جَزَاءُ الْإِحْسَانِ إِلَّا الْإِحْسَانُ }
„Kann der Lohn für Güte (etwas) anderes sein als Güte.?“ (Sura ar-Rahman, Vers 60)
Dann befiehlt Allah eine besondere Form der Güte, die eine große Wirkung hat. Es ist die Güte gegenüber demjenigen, der einem Unrecht zufügt. Er sagt:
{ ادْفَعْ بِالَّتِي هِيَ أَحْسَنُ }
„Wehre (das Schlechte) mit dem ab, was besser ist.“
Das heißt: Wenn dir jemand von den Menschen Unrecht zufügt - sei es durch Worte oder Taten -, insbesondere jemand, der ein großes Recht über dich hat, wie Verwandte, Freunde und dergleichen, dann begegne ihm mit Güte. Wenn er den Kontakt zu dir abbricht, dann halte du den Kontakt aufrecht. Wenn er dir Unrecht zufügt, dann vergib ihm. Wenn er über dich spricht - in deiner Abwesenheit oder in deiner Anwesenheit -, dann begegne ihm nicht mit Gleichem, sondern vergib ihm und begegne ihm mit sanfter Rede. Wenn er dich meidet und aufhört, mit dir zu sprechen, dann sprich du freundlich zu ihm und biete ihm den Salam dar. Wenn du die schlechte Behandlung mit Güte beantwortest, entsteht daraus ein großer Nutzen.
{ فَإِذَا الَّذِي بَيْنَكَ وَبَيْنَهُ عَدَاوَةٌ كَأَنَّهُ وَلِيٌّ حَمِيمٌ }
„Dann wird derjenige, zwischen dir und dem Feindschaft bestand, so, als wäre er ein inniger Freund.“
Das heißt: Als wäre er ein naher, mitfühlender Vertrauter.
Ibn ‘Abd al-Barr (rahimahullah) sagte:
Die Gelehrten sind sich einig, dass es einem Muslim nicht erlaubt ist, seinen Bruder länger als drei Tage zu meiden, außer in dem Fall, dass er befürchtet, dass der Umgang mit ihm und das Aufrechterhalten der Verbindung zu ihm seine religiöse Standhaftigkeit beeinträchtigen könnten oder ihn einem Schaden in seinen religiösen oder weltlichen Angelegenheiten aussetzen.
Wenn dies der Fall ist, so wird ihm eine Erleichterung (Rukhsah) gewährt, die es ihm erlaubt, ihn zu meiden und sich von ihm fernzuhalten. Möglicherweise ist dann das Abbrechen des Kontakts mit ihm und das Meiden auf gute Weise besser, als der Umgang mit ihm in einer Weise, die zu Schaden führt.
Quelle: At-Tamhid, Band 6, Seite 127.
Übersetzung: Abu Davut Konyevi