Frage:

Nimmt Allah, der Erhabene und Hohe, ein ungerechtes Bittgebet der Eltern an?

Antwort:

Es ist authentisch vom Propheten überliefert worden, dass Allah, der Allmächtige und Erhabene, das Bittgebet des Unterdrückten annimmt.

Und dazu gehört seine Aussage zu Muadh, als er ihn nach Jemen entsandte, und unter den Ratschlägen, die er ihm mitgab:

{ وَاتَّقِ دَعْوَةَ الْمَظْلُومِ فَإِنَّهُ لَيْسَ بَيْنَهَا وَبَيْنَ اللَّهِ حِجَابٌ }

„Und fürchte das Bittgebet des Unterdrückten, denn zwischen ihm und Allah steht kein Schleier.”Und in einer weiteren Überlieferung heißt es: {فَإِنَّهَا}

Dies ist allgemein gehalten und umfasst jeden Unterdrückten.
Was jedoch den Unterdrücker betrifft, so nimmt Allah sein Bittgebet nicht an, da es auf seinem eigenen Unrecht beruht. Er besitzt kein Recht auf ein solches Bittgebet, und Allah, Gepriesen und Erhaben ist Er, ist der Gerechteste im Urteil.

Scheich ‘Ubaid al-Dschabiri, rahimahullah


Frage:

Wird das Bittgebet des Vaters gegen sein Kind erhört, wenn der Vater Unrecht begeht?

Antwort:

Das Bittgebet des Vaters wird erhört, wenn sein Kind ihm gegenüber ungehorsam gewesen ist und ihm Unrecht zugefügt hat, dann wird das Bittgebet seines Vaters erhört.

Wenn jedoch der Vater selbst derjenige ist, der Unrecht begeht, dann ist das eine Grenzüberschreitung und Übertretung im Bittgebet.

Allah, der Mächtige und Erhabene, sagt:

﴿ ٱدْعُوا۟ رَبَّكُمْ تَضَرُّعًۭا وَخُفْيَةًۭ إِنَّهُۥ لَا يُحِبُّ ٱلْمُعْتَدِينَ ﴾

„Ruft euren Herrn in Demut und im Verborgenen an. Gewiss, Er liebt die Übertreter nicht.“ (Surah al-Araf 7:55)

Das heißt, diejenigen, die im Bittgebet übertreten.

Das Bittgebet gegen jemanden, der es nicht verdient, ist eine Übertretung, daher ist es nicht erlaubt.

Scheich Salih al-Fauzan, hafidhahullah


Allah, subhana wa ta'ala, sagt:

﴿وَلَوْ يُعَجِّلُ اللَّهُ لِلنَّاسِ الشَّرَّ اسْتِعْجَالَهُم بِالْخَيْرِ لَقُضِيَ إِلَيْهِمْ أَجَلُهُمْ ۖ فَنَذَرُ الَّذِينَ لَا يَرْجُونَ لِقَاءَنَا فِي طُغْيَانِهِمْ يَعْمَهُونَ﴾

„Wenn Allah den Menschen das Schlechte so beschleunigen würde, wie sie das Gute zu beschleunigen wünschen, wäre ihre Frist für sie bereits bestimmt. Aber Wir lassen diejenigen, die nicht die Begegnung mit Uns erwarten, in ihrer Auflehnung umherirren.“ (Surah Yunus 10:11)

Im Tafsir von Ibn Kathir (rahimahullah) heißt es dazu:

Allah (subhana wa ta'ala) berichtet uns über Seine Milde (Hilm) und Seine Güte (Lut'f) gegenüber Seinen Dienern. Er antwortet ihnen nicht, wenn sie in Zustand von Kummer oder Zorn mit übler Absicht gegen sich selbst, ihren Besitz oder ihre Kinder Bittgebete (Dua) sprechen. Er weiß, dass sie das Unheil für sich selbst nicht wirklich beabsichtigen, weshalb Er ihnen aus Güte und Barmherzigkeit nicht antwortet.

Doch antwortet Er ihnen, wenn sie für sich selbst, ihren Besitz und ihr Vermögen um Gutes, Segen (Barakah) und Zuwachs bitten.

Aus diesem Grund sagte Er:

﴾وَلَوْ يُعَجِّلُ اللَّهُ لِلنَّاسِ الشَّرَّ اسْتِعْجَالَهُم بِالْخَيْرِ لَقُضِيَ إِلَيْهِمْ أَجَلُهُمْ﴿ 

„Wenn Allah den Menschen das Schlechte so beschleunigen würde, wie sie das Gute zu beschleunigen wünschen, wäre ihre Frist für sie bereits bestimmt.“ (Surah Yunus 10:11)

Wenn Er auf all ihre Bittgebete geantwortet hätte, hätte Er sie vernichtet. Doch es ist nicht angebracht, dies häufig zu tun, wie es im Hadith überliefert wurde, den al-Hafidh Abu Bakr al-Bazzār in seinem Musnad berichtete:

Der Gesandte Allahs ﷺ sagte:

{ لاَ تَدْعُوا عَلَى أَنْفُسِكُمْ وَلاَ تَدْعُوا عَلَى أَوْلاَدِكُمْ وَلاَ تَدْعُوا عَلَى خَدَمِكُمْ وَلاَ تَدْعُوا عَلَى أَمْوَالِكُمْ لاَ تُوَافِقُوا مِنَ اللَّهِ تَبَارَكَ وَتَعَالَى سَاعَةَ نَيْلٍ فِيهَا عَطَاءٌ فَيَسْتَجِيبَ لَكُمْ }

„Sprecht keine Bittgebete gegen euch selbst, sprecht keine Bittgebete gegen eure Kinder, sprecht keine Bittgebete gegen eure Bedienstete und sprecht keine Bittgebete gegen euren Besitz, damit ihr nicht auf eine Stunde von Allah, Gepriesen und Erhaben ist Er, stoßt, in der Er eine Gunst gewährt und euch daraufhin erhört.“ [1]
(...)

Und al-Bazār sagte: Es ähnelt dem, was aus dem folgenden Vers verstanden wird:

 ‎﴿ وَيَدْعُ الْإِنسَانُ بِالشَّرِّ دُعَاءَهُ بِالْخَيْرِ ۖ وَكَانَ الْإِنسَانُ عَجُولًا ﴾

„Der Mensch ruft (zu Allah) um das Schlechte, wie er um das Gute ruft; der Mensch ist ja stets voreilig.“ (Surah Al-Isra 17:11)


Mudschāhid sagte zum folgenden Vers:

‎﴿ وَلَوْ يُعَجِّلُ اللَّهُ لِلنَّاسِ الشَّرَّ اسْتِعْجَالَهُم بِالْخَيْرِ لَقُضِيَ إِلَيْهِمْ أَجَلُهُمْ ﴾

„Wenn Allah den Menschen das Schlechte so beschleunigen würde, wie sie das Gute zu beschleunigen wünschen, wäre ihre Frist für sie bereits bestimmt.“ (Surah Yunus 10:11)

„Dies bezieht sich auf den Mann, der im Zorn zu seinem Sohn oder über sein Vermögen sagt: ‚O Allah, segne ihn nicht‘ oder ‚Verfluche ihn‘. Würde Allah diesem Mann in dieser Bitte antworten, so wie Er ihm beim Guten antwortet, würde Er sie vernichten.“

Übersetzer: Khawer Malik.


[1] Sunan Abi Dawud, Hadith Nr. 1532, Von Dschābir bin ‘Abdillah (radi Allahu anhu), Einstufung: Sahih von Scheich Al-Albani.