Frage an Islam FatwaWie lautet das Urteil über das absichtliche Stellen sinnloser Fragen ohne Nutzen, nur zur Unterhaltung, wobei sogenannte Prediger auf diversen sozialen Medien wie z. B. TikTok diesen Fragen sogar Aufmerksamkeit schenken? Beispiele dafür sind Fragen wie: „Darf ich in Schweinfurt leben?“, „Darf ich Albaner sein?“ oder „Darf ich im Paradies ein Anime-Charakter sein?“

 

Der Qur’an über das unnötige Fragen


Allah sagt in Seinem Buch:

﴿ يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لَا تَسْأَلُوا عَنْ أَشْيَاءَ إِنْ تُبْدَ لَكُمْ تَسُؤْكُمْ 

„O die ihr glaubt, fragt nicht nach Dingen, die, wenn sie euch offengelegt werden, euch leid tun...“

Ibn Kathīr (rahimahullah) sagte über den Vers:

„Dies ist eine Disziplinierung von Allah, Erhaben ist Er, für Seine gläubigen Diener und ein Verbot für sie, nach Dingen zu fragen und sie zu untersuchen, von denen sie keinen Nutzen haben. Denn wenn diese Angelegenheiten ihnen offenkundig gemacht würden, könnten sie ihnen missfallen und es ihnen schwerfallen, sie zu hören.“ (Quelle: Tafsīr Ibn Kathīr, Surah 5 Vers 101)

Die Sunnah über das unnötige Fragen


Es wurde von Abū Ḥurairah (رضي الله عنه) berichtet, dass er den Gesandten Allahs () folgendes sagen hörte:

{ما نهيتُكم عنه فاجتنبوه، وما أمرتُكم به فأتوا منه ما استطعتُم، فإنما أهلك الذين من قبلكم كثرةُ مسائلهم واختلافُهم على أنبيائهم}

„Haltet euch fern von dem, was ich euch verboten habe und macht von dem, was ich euch geboten habe, so viel ihr könnt. Denn diejenigen, die vor euch waren, sind durch die Vielzahl ihrer Fragen und durch ihren Widerspruch gegenüber ihren Propheten zugrunde gegangen.“ (Quelle: Überliefert von al-Buchārī und Muslim)

Die Salaf über das unnötige Fragen

Jūnus bin ‘Ubaid berichtete, dass Maimūn bin Mihrān sagte: „Gunsterweisung gegenüber den Menschen ist das halbe Verständnis, und die gute Fragestellung ist das halbe Wissen.“

Es wurde von Sa’d bin Ibrāhīm überliefert, dass Ibn ‘Abbās sagte: „Niemand hat mir eine Frage zu einer Angelegenheit gestellt, außer dass ich (aufgrund seiner Fragestellung) wusste, ob er eine Person des Verständnisses ist oder nicht.“

Imām Mālik berichtet, dass als eine Person zu Zaid bin Aslam für Fragen kam und er (der Fragesteller die Frage) durcheinanderbrachte, er ihm sagte: „Geh und lerne (erst) zu fragen. Wenn du dies getan hast, dann frag.“ (Quelle: Al-Faqīh wal-Mutafaqqih von al-Chaṭīb al-Baghdādī, Band 2, Seite 63-65)

Wann man eine Frage stellt und wann man es vermeiden sollte

Scheich Muḥammad b. Ṣāliḥ al-‘Uthaimīn (rahimahullah) sagte in Scharḥ Kitāb al-ʿIlm, Seite 241–242: „Wenn die Notwendigkeit zum Fragen besteht, sollte der Student des Wissens seine Frage gut formulieren. Doch wenn keine Notwendigkeit besteht, sollte er nicht fragen, denn es gehört sich nicht, dass eine Person eine Frage stellt, es sei denn, sie selbst benötigt eine Antwort oder sie vermutet, dass jemand anderes diese Frage benötigt.

So kann es beispielsweise sein, dass jemand in einem Unterricht sitzt und den Unterricht bereits versteht, jedoch gibt es darin schwierige Themen, die einer Erklärung für die übrigen Schüler bedürfen. In diesem Fall fragt er aus dem Bedürfnis anderer heraus. Derjenige, der im Interesse eines anderen fragt, ist wie ein Lehrer.

Denn als der Prophet von Dschibrīl gefragt wurde über Īmān, Iḥsān, den Islām, die Stunde und ihre Zeichen, sagte er:

هذا جبريل أتاكم يعلمكم دينكم

„Das war Dschibrīl, er kam zu euch, um euch eure Religion zu lehren.“

Wenn die treibende Motivation hinter der Frage das tatsächliche Bedürfnis des Fragenden nach Wissen ist, dann ist seine Frage angemessen. Oder wenn jemand fragt für das Bedürfnis anderer, um anderen Wissen zu vermitteln, so ist dies ebenfalls eine angemessene und gute Handlung.

Doch wenn jemand fragt, nur damit die Leute sagen: „Mā schā Allāh, dieser jene hat ein großes Interesse an Wissen und stellt viele Fragen“, dann ist dies falsch.

Das Gegenteil davon ist jemand, der sagt: „Ich stelle keine Frage aus Scham.“ In diesem Fall ist der Erste übermäßig und der Zweite nachlässig – und das Beste liegt in der Mitte.

Ebenso sollte der Schüler des Wissens der Antwort des Gelehrten gut zuhören und korrekt verstehen. Manche Schüler schämen sich, nachdem sie eine Frage gestellt und eine Antwort erhalten haben, zu sagen: „Ich habe es nicht verstanden.“

Doch was sich für den Schüler des Wissens gehört, ist, dass er – wenn er etwas nicht verstanden hat – sagt: „Ich habe es nicht verstanden.“

Jedoch sollte dies mit Anstand und Respekt gegenüber dem Gelehrten geschehen.“

Übersetzung: Khawer Malik