Welche Arten von Schirk gibt es?
Antwort:
Schirk bedeutet, eine Form der ʿIbādah, also der Anbetung und gottesdienstlichen Verehrung, jemand anderem außer Allah zuzuwenden.
Dazu gehört zum Beispiel: für jemand anderen als Allah zu schlachten, für jemand anderen als Allah ein Gelübde abzulegen, jemand anderen außer Allah anzurufen oder bei jemand anderem außer Allah Hilfe zu suchen, in Angelegenheiten, die nur Allah vermag.
Genau das geschieht heute bei manchen Menschen an Gräbern und Schreinen: Sie rufen Verstorbene an, damit diese ihre Bedürfnisse erfüllen oder ihre Not lindern; sie umrunden ihre Grabstätten, schlachten dort Opfer, um sich ihnen zu nähern, legen ihnen Gelübde ab und Ähnliches.
Das ist großer Schirk, denn dabei wird ʿIbādah jemand anderem außer Allah – erhaben ist Er – zugewandt.
Allah – erhaben ist Er – sagt:
(al-Kahf, 18:110)
Und Allah – erhaben ist Er – sagt:
(an-Nisāʾ, 4:36)
Und Er sagt:
(al-Bayyina, 98:5)
Die Verse zu diesem Thema sind zahlreich.
Schirk hat verschiedene Arten.
1. Großer Schirk
Die erste Art ist großer Schirk, der aus dem Islam hinausführt.
Das ist das, was bereits erwähnt wurde: dass jemand irgendeine Form der ʿIbādah jemand anderem außer Allah zuwendet. Zum Beispiel, indem er für jemand anderen als Allah schlachtet, für jemand anderen als Allah ein Gelübde ablegt, jemand anderen außer Allah anruft oder bei jemand anderem außer Allah Hilfe sucht.
Das ist großer Schirk, der aus dem Islam hinausführt. Wer darauf stirbt, ohne zu Allah zu bereuen, bleibt ewig im Höllenfeuer.
Allah – erhaben ist Er – sagt:
(al-Māʾida, 5:72)
Diese Art von Schirk vergibt Allah nicht, wenn der Mensch ohne Reue darauf stirbt.
Allah – mächtig und erhaben ist Er – sagt:
(an-Nisāʾ, 4:116)
2. Kleiner Schirk
Die zweite Art ist kleiner Schirk. Er führt nicht aus dem Islam hinaus, doch seine Gefahr ist gewaltig. Auch er wird nur durch Reue vergeben, denn Allah sagt:
(an-Nisāʾ, 4:116)
Diese Aussage umfasst sowohl den großen als auch den kleinen Schirk.
Zum kleinen Schirk gehört zum Beispiel, bei jemand anderem außer Allah zu schwören.
Ebenso gehört dazu, dass jemand sagt:
مَا شَاءَ اللَّهُ وَشِئْتَ
„Was Allah will und was du willst.“
Dabei wird der Wille des Geschöpfs durch das Wort „und“ mit dem Willen des Schöpfers verbunden. Richtig wäre zu sagen:
مَا شَاءَ اللَّهُ ثُمَّ شِئْتَ
„Was Allah will, und danach was du willst.“
Ebenso gehört dazu die Aussage:
لَوْلَا اللَّهُ وَأَنْتَ
„Wenn nicht Allah und du gewesen wäret …“
und ähnliche Formulierungen.
Das ist Schirk in den Worten und wird kleiner Schirk genannt.
3. Verborgener Schirk
Auch Riyāʾ gehört zum kleinen Schirk. Er ist ein verborgener Schirk, weil er zu den Handlungen des Herzens gehört. Man spricht ihn nicht unbedingt aus, er ist nicht sichtbar an den Gliedern und zeigt sich nicht offen auf der Zunge. Vielmehr ist er etwas im Herzen, das niemand kennt außer Allah.
Somit gibt es Schirk in drei Formen:
großer Schirk,
kleiner Schirk,
und verborgener Schirk.
Der verborgene Schirk ist Riyāʾ sowie das, was sich im Herzen an Absichten und Zielen für jemand anderen außer Allah – erhaben ist Er – befindet.
Riyāʾ bedeutet: Ein Mensch verrichtet eine Handlung, die äußerlich für Allah erscheint, doch innerlich beabsichtigt er damit etwas anderes als Allah. Er möchte zum Beispiel, dass die Menschen ihn loben, ihn rühmen oder gut über ihn sprechen. Oder er verfolgt mit dieser Handlung irgendeinen weltlichen Vorteil.
Die äußere Form seiner Tat scheint für Allah zu sein, doch in Wirklichkeit ist sie für jemand anderen.
Allah – erhaben ist Er – sagt:
(Hūd, 11:15–16)
Wer also zum Beispiel die Ḥaǧǧ verrichtet, Wissen sucht oder eine andere gottesdienstliche Handlung vollzieht, dabei aber einen weltlichen Vorteil beabsichtigt, der fällt in Riyāʾ. Und Riyāʾ macht die Tat zunichte.
Der Prophet ﷺ sagte:
Und der Prophet ﷺ sagte:
Darum ist es für den Muslim verpflichtend, in seinen Taten, Worten und Absichten aufrichtig gegenüber Allah zu sein, damit seine Handlung rechtschaffen ist und bei Allah – erhaben ist Er – angenommen wird.
Scheich Ṣāliḥ al-Fawzān
Quelle: Madschmu Fatāwā Faḍīlat asch-Scheich Ṣāliḥ ibn Fauzān, Bd. 1, S. 15-17.
Übersetzer: Nasser Malik